Zum Inhalt springen

Themenbuch

Parität

Gerade und ungerade – vom Sockenpaar bis zur Olympiade

VeröffentlichtVersion 1.3.0ca. 230 Seiten

Ein freundlicher Weg von den ersten Zweiermustern bis zu Invarianten, Färbungen und Unmöglichkeitsbeweisen. Zuerst verstehen und üben – dann olympiadetauglich argumentieren.

GrundlagenAufbauFortgeschrittenOlympiade

Was du lernst

  • Parität in Zahlen, Summen, Produkten und Prozessen erkennen.
  • Aussagen mit Fallunterscheidungen und den Formen $2k$ / $2k+1$ beweisen.
  • Klar sagen, was Parität beweist – und wann eine feinere Idee nötig ist.
  • Parität später als Invariante und Färbungswerkzeug einsetzen.

Rahmen

Lernzeit
25 Std. 31 Min.
Voraussetzungen
Sicherer Umgang mit ganzen Zahlen · Einfaches Umformen und Ausklammern · Lust, kurze Begründungen zu schreiben

Im Buch suchen

Finde Kapitel, Lernziele und Methoden.

Inhaltsverzeichnis

Lernkarte

  1. 1
  2. 2
    Erkennungssignale und Problemübersetzung

    baut auf den vorherigen Ideen auf

  3. 3
    Reicht Parität?

    baut auf den vorherigen Ideen auf

  4. 4
    Parität von Summen und Differenzen

    baut auf den vorherigen Ideen auf

  5. 5
    Parität von Produkten

    baut auf den vorherigen Ideen auf

  6. 6
    Direkte Beweise und Kontraposition

    baut auf den vorherigen Ideen auf

  7. 7
    Widerspruch und Unmöglichkeitsbeweise

    baut auf den vorherigen Ideen auf

  8. 8
    Schachbrettfärbungen und Überdeckungen

    baut auf den vorherigen Ideen auf

  9. 9
    Gitterwege und geometrische Parität

    baut auf den vorherigen Ideen auf

  10. 10
    Zustände und Paritätsinvarianten

    baut auf den vorherigen Ideen auf

  11. 11
    Spielstellungen und Gewinnstrategien

    baut auf den vorherigen Ideen auf

  12. 12
    Parität, Faktorisierung und Teilbarkeit

    baut auf den vorherigen Ideen auf

  13. 13
    Parität beim Zählen und Auswählen

    baut auf den vorherigen Ideen auf

  14. 14
    Methodenwahl und Lösungswerkstatt

    baut auf den vorherigen Ideen auf

  15. 15
    Paritäts-Olympiade: Probesatz

    baut auf den vorherigen Ideen auf

Zentrale Methoden

Unter Wettbewerbsbedingungen eine Methode wählen

Vor dem Rechnen kurz klären: Was ist das Ziel – und welches Werkzeug trennt Start und Ziel wirklich?

Warum funktioniert sie?

In einer Olympiade ist die erste bekannte Methode nicht immer die richtige. Zwei Minuten Diagnose sparen lange Rechnungen und verhindern Paritätsargumente, die nur „noch möglich“ sagen – aber nicht entscheiden.

Erkennungssignale

  • Die Aufgabe mischt Zahlen, Züge, Auswahl oder Geometrie.
  • Mehrere Paritätsmethoden scheinen möglich.
  • Du sollst unter Zeitdruck planen und vollständig schreiben.

Vorgehen

  1. 1. Zieltyp markieren: Kläre: Teilbarkeit, Unmöglichkeit, Erreichbarkeit, Auswahl oder Strategie?
  2. 2. Struktur reduzieren: Übersetze die wichtigen Größen in G/U, Farbbilanzen oder Zugwirkungen.
  3. 3. Reichweite testen: Frage vor dem Schreiben: Trennt diese Information wirklich – oder brauchst du etwas Feineres?
  4. 4. Drei-Zeilen-Plan notieren: Schreibe Ausgangspunkt, Kernschritt und Schlusssatz in drei kurzen Zeilen.

Geeignet

  • du vor einer längeren Lösung einen klaren Beweisplan brauchst
  • du zwischen direktem Beweis, Widerspruch, Färbung, Invariante und Kombination wählen musst

Reicht nicht

  • die Aufgabe eine unmittelbare Ein-Schritt-Rechnung ist
  • du die Diagnose als Ersatz für den eigentlichen Beweis nimmst
Einen Paritätsbeweis auf Wettbewerbsqualität prüfen

Vor Abgabe prüfen: Voraussetzungen, Vollständigkeit, logische Richtung und Schlusssatz.

Warum funktioniert sie?

Viele fast richtige Lösungen verlieren Punkte nicht an der Idee, sondern an einer unbegründeten Umkehrung, einem fehlenden Fall oder einem zu starken Schluss.

Erkennungssignale

  • Eine Lösung soll abgegeben oder überarbeitet werden.
  • Ein Argument wirkt plausibel, hat aber Sprünge.
  • Notwendig und hinreichend könnten verwechselt sein.

Vorgehen

  1. 1. Voraussetzungen prüfen: Sind Variablenbereich, Annahmen und Hilfsbuchstaben ausdrücklich festgelegt?
  2. 2. Jeden Schluss rechtfertigen: Prüfe besonders Umkehrungen, Fallvollständigkeit und notwendige Bedingungen.
  3. 3. Ziel abgleichen: Zeigt der letzte Satz exakt die Behauptung – nicht weniger und nicht mehr?
  4. 4. Lesbar abschließen: Benenne den Widerspruch oder die Teilbarkeit in einem vollständigen Schlusssatz.

Geeignet

  • du einen vollständigen schriftlichen Beweis prüfst
  • du eine gefundene Lösung systematisch auf Lücken checkst

Reicht nicht

  • du noch gar keinen Lösungsansatz hast
Einen Teilbarkeitsbeweis in Faktoren zerlegen

Teilbarkeit durch 6, 30, … in Teilziele zerlegen, getrennt beweisen und sauber zusammensetzen.

Warum funktioniert sie?

Für Teilbarkeit durch 6 suchst du nicht auf einmal den Faktor 6: Parität liefert 2, ein anderes Argument liefert 3 – und weil 2 und 3 teilerfremd sind, folgt 6.

Erkennungssignale

  • Teilbarkeit durch 6, 10, 12, 30 oder ein anderes zusammengesetztes Modul.
  • Verschiedene Strukturen liefern verschiedene Primfaktoren.
  • Nachbarzahlen oder eine Faktorisierung treten auf.

Vorgehen

  1. 1. Zielteiler zerlegen: Schreibe den verlangten Teiler als Produkt teilerfremder Faktoren, z. B. 30=23530=2\cdot3\cdot5.
  2. 2. Teilargumente wählen: Parität oder Nachbarn für 2; passende Restklassen oder Nachbarblöcke für die übrigen Faktoren.
  3. 3. Zusammensetzen: Nenne die Teilerfremdheit ausdrücklich und folgere daraus die Teilbarkeit durch das Produkt.

Geeignet

  • der Zielteiler in teilerfremde Faktoren zerlegt werden kann
  • Parität genau den Faktor 2 liefert

Reicht nicht

  • die bewiesenen Faktoren nicht teilerfremd sind (dann folgt das Produkt nicht automatisch)
  • eine direkte Faktorisierung schon den ganzen Zielteiler zeigt
Paritätsklassen als Schubfächer verwenden

Zahlen in die Fächer G und U stecken und daraus erzwingen, dass mindestens zwei dieselbe Parität haben.

Warum funktioniert sie?

Parität liefert genau zwei Schubfächer. Sobald mehr als zwei Objekte verteilt werden, müssen mindestens zwei im selben Fach landen – wie bei drei Socken und zwei Farben.

Erkennungssignale

  • Aus mehreren ganzen Zahlen soll ein Paar ausgewählt werden.
  • Eine gerade Summe oder Differenz soll garantiert werden.
  • Nur gleiche oder verschiedene Parität der ausgewählten Zahlen zählt.

Vorgehen

  1. 1. Schubfächer festlegen: Nutze die Klassen G und U – oder feinere Restklassen, falls nötig.
  2. 2. Objekte verteilen: Ordne jede gegebene ganze Zahl eindeutig genau einem Fach zu.
  3. 3. Paareigenschaft übersetzen: Erkläre, warum zwei Zahlen aus demselben Fach die gewünschte gerade Summe oder Differenz haben.

Geeignet

  • die gewünschte Paareigenschaft aus gleicher Parität folgt
  • Existenz ohne konkrete Konstruktion bewiesen werden soll

Reicht nicht

  • mehr als zwei Restklassen gebraucht werden
  • das Schubfach ein Paar liefert, aber nicht die verlangte Zusatzbedingung
Eine Doppelzählung modulo 2 auswerten

Dieselbe Gesamtzahl über lokale Beiträge zählen und aus der geraden Summe eine globale Paritätsaussage folgern.

Warum funktioniert sie?

Wenn jeder Handschlag an zwei Enden gezählt wird, ist die Summe aller Handschlagzahlen automatisch gerade – auch wenn du keine einzelne Zahl kennst.

Erkennungssignale

  • Paare, Begegnungen, Kanten oder Nachbarschaften werden gezählt.
  • Jedes Objekt trägt zu genau zwei lokalen Zählern bei.
  • Gesucht ist die Anzahl von Personen mit ungerader Handschlagzahl.

Vorgehen

  1. 1. Lokale Größen definieren: Ordne jedem Objekt seine Anzahl von Verbindungen, Begegnungen oder Randbeiträgen zu.
  2. 2. Global doppelt zählen: Zeige, dass die Summe der lokalen Größen jede Verbindung genau zweimal enthält.
  3. 3. Modulo 2 lesen: Gerade Beiträge verschwinden modulo 2; die Zahl der ungeraden Beiträge muss deshalb gerade sein.

Geeignet

  • eine globale Menge als Summe lokaler Anzahlen beschrieben werden kann
  • nur die Parität der Summe oder der ungeraden Beiträge gebraucht wird

Reicht nicht

  • Beiträge unterschiedlich oft gezählt werden
  • eine exakte Struktur statt nur einer Paritätsbedingung bestimmt werden muss
Gewinn- und Verluststellungen rückwärts bestimmen

Vom Ende her untersuchen, welche Stellungen einen Zug in eine Verluststellung erlauben.

Warum funktioniert sie?

Eine Gewinnstellung muss nicht sofort gewinnen. Es genügt, dem Gegenüber eine Stellung zu hinterlassen, aus der jeder Zug wieder günstig für dich wird.

Erkennungssignale

  • Zwei Personen ziehen abwechselnd.
  • Es gibt klar beschriebene Endstellungen.
  • Die möglichen Züge hängen nur vom aktuellen Zustand ab.
  • Gesucht sind Gewinner oder eine vollständige Strategie.

Vorgehen

  1. 1. Endstellung markieren: Bestimme zuerst: Wer gewinnt oder verliert, wenn kein legaler Zug mehr möglich ist?
  2. 2. Rückwärts klassifizieren: Gewinnend = mindestens ein Zug in eine Verluststellung. Verlierend = alle Züge in Gewinnstellungen.
  3. 3. Muster beweisen: Formuliere die Restklassen und beweise beide Richtungen der Klassifikation.

Geeignet

  • kleine Zustände rückwärts vollständig klassifiziert werden können
  • sich das Muster durch Induktion oder Restklassen beweisen lässt

Reicht nicht

  • verdeckte Infos oder Zufall den nächsten Zustand bestimmen
  • nur Erreichbarkeit und nicht das Verhalten eines Gegners gefragt ist
Eine ergänzende Antwortstrategie konstruieren

Auf jeden Gegenzug so antworten, dass beide Züge zusammen eine feste Summe oder Wirkung haben.

Warum funktioniert sie?

Statt alle langen Spielverläufe zu planen, bündelst du je einen Gegenzug und deinen Zug zu einem kontrollierten Paar – z. B. zusammen immer genau 3 Steine.

Erkennungssignale

  • Aus einem Vorrat werden abwechselnd Objekte entfernt.
  • Die erlaubten Zuggrößen ergänzen sich zu einer festen Zahl.
  • Eine periodische Stellung soll nach jeder eigenen Antwort wiederhergestellt werden.

Vorgehen

  1. 1. Zielstellung wählen: Bestimme die Vielfachen oder symmetrischen Zustände, die dem Gegner übergeben werden sollen.
  2. 2. Züge ergänzen: Antwortet der Gegner mit rr, wähle die Ergänzung, z. B. m+1rm+1-r.
  3. 3. Legalität und Ende beweisen: Zeige, dass jede Antwort erlaubt ist und dass die Strategie den letzten Zug behält.

Geeignet

  • zu jedem Gegenzug genau eine legale Ergänzung existiert
  • die gepaarten Züge sicher bis zur Endstellung fortgesetzt werden können

Reicht nicht

  • die Antwort am Rand des Spiels illegal werden kann
  • mehrere Zugarten die gewünschte Paarbilanz zerstören
Eine passende Färbung entwerfen

Eine Figur so färben, dass jeder erlaubte Stein oder Zug eine feste Farbbilanz hat.

Warum funktioniert sie?

Eine gute Färbung ist kein Schmuck: Sie macht genau die lokale Eigenschaft sichtbar, die sich beim Zusammensetzen nicht verstecken kann.

Erkennungssignale

  • Ein Brett soll mit gleichen Teilen überdeckt werden.
  • Figuren bewegen sich zwischen benachbarten Gitterpunkten.
  • Fläche allein ist notwendig, entscheidet aber nicht.
  • Jedes lokale Teil berührt ein festes Muster von Feldklassen.

Vorgehen

  1. 1. Lokales Teil analysieren: Frage: Welche Felder oder Punkte berührt ein einzelner Stein bzw. Zug?
  2. 2. Periodische Färbung wählen: Teste zwei Farben, Streifen oder bei Bedarf mehr – so wenig wie möglich.
  3. 3. Bilanz vergleichen: Beweise die Farbbilanz jedes Teils und vergleiche sie mit der Gesamtfigur.

Geeignet

  • Nachbarschaft oder periodische Lage entscheidend ist
  • alle erlaubten Teile dieselbe Farbbilanz haben

Reicht nicht

  • die Färbung verschiedene erlaubte Teile nicht einheitlich beschreibt
  • bereits eine einfachere Flächen- oder Teilbarkeitsbedingung entscheidet
Parität eines Gitterwegs verfolgen

Punkte über x+yx+y färben und aus jedem erlaubten Schritt einen Farbwechsel oder Farberhalt ableiten.

Warum funktioniert sie?

Die Farbe eines Punktes speichert die Parität von x+yx+y. Ein Schritt verändert diese Summe auf vorhersehbare Weise – wie ein Schachbrett als Formel.

Erkennungssignale

  • Punkte besitzen ganzzahlige Koordinaten.
  • Erlaubte Züge ändern Koordinaten um feste Werte.
  • Weglänge, Rückkehr oder Erreichbarkeit ist gefragt.
  • Springer-, Diagonal- oder Nachbarzüge treten auf.

Vorgehen

  1. 1. Punkte färben: Färbe (x,y)(x,y) nach der Parität von x+yx+y.
  2. 2. Jeden Zug prüfen: Berechne Δx+Δy\Delta x+\Delta y und entscheide: Farbwechsel oder Farberhalt?
  3. 3. Schrittzahl ablesen: Gleiche Start-/Zielfarbe verlangt bei wechselnden Zügen eine gerade, verschiedene Farbe eine ungerade Schrittzahl.

Geeignet

  • jeder erlaubte Schritt x+yx+y stets ungerade oder stets gerade ändert
  • nur die Parität der Schrittzahl oder des Zielpunkts gesucht ist

Reicht nicht

  • verschiedene Zugarten uneinheitliche Paritätswirkung haben
  • die exakte kürzeste Weglänge statt nur ihrer Parität gebraucht wird
Einen direkten Paritätsbeweis schreiben

Voraussetzungen in 2k2k / 2k+12k+1 übersetzen und die gewünschte Form vorwärts herleiten.

Warum funktioniert sie?

Ein direkter Beweis ist der gerade Weg: Aus dem, was du weißt, formst du Schritt für Schritt die Zielparität – ohne das Gegenteil anzunehmen.

Erkennungssignale

  • Die Aussage hat die Form „Wenn …, dann …“.
  • Die Voraussetzungen geben Paritäten der beteiligten Zahlen an.
  • Der Zielausdruck lässt sich durch Einsetzen und Ausklammern vereinfachen.

Vorgehen

  1. 1. Beliebige Objekte festlegen: Beginne mit beliebigen ganzen Zahlen, die genau die Voraussetzungen erfüllen – nicht mit einem Beispiel.
  2. 2. Parität darstellen: Schreibe jede unabhängige Zahl mit einer eigenen ganzzahligen Hilfsvariablen.
  3. 3. Zielform herstellen: Forme bis 2m2m oder 2m+12m+1 um und begründe, dass mm ganzzahlig ist.

Geeignet

  • die Voraussetzungen unmittelbar algebraisch nutzbar sind
  • nur wenige vollständige Paritätsfälle auftreten

Reicht nicht

  • die Zielaussage leichter über ihr Gegenteil zu behandeln ist
  • eine Existenz ausgeschlossen statt eine Eigenschaft hergeleitet werden soll
Eine Paritätsaussage durch Kontraposition beweisen

Statt „Wenn A, dann B“ die gleichwertige Aussage „Wenn nicht B, dann nicht A“ beweisen.

Warum funktioniert sie?

Manchmal ist der Umweg der kürzere Weg: Die Parität der Eingabe vorwärts zu verfolgen ist leicht – der Rückschluss vom Ergebnis her schwer. Dann beweist du die Kontraposition.

Erkennungssignale

  • Aus der Parität eines Ergebnisses soll auf Eingaben geschlossen werden.
  • Die Aussage enthält Formulierungen wie „mindestens ein Faktor“.
  • Das Gegenteil der Schlussfolgerung hat eine einfache G/U-Form.

Vorgehen

  1. 1. Aussage logisch umformen: Aus „Wenn AA, dann BB“ wird „Wenn nicht BB, dann nicht AA“.
  2. 2. Negationen präzisieren: Bei ganzen Zahlen: „nicht gerade“ = ungerade und umgekehrt.
  3. 3. Kontraposition direkt beweisen: Nutze Darstellungen oder Produktregeln und nenne am Ende die logische Gleichwertigkeit.

Geeignet

  • die negierte Schlussfolgerung eine klare gerade/ungerade-Form liefert
  • Produkte, Quadrate oder Potenzen rückwärts gelesen werden

Reicht nicht

  • die direkte Herleitung bereits kürzer ist
  • ein unmöglicher Zustand besser per Widerspruch ausgeschlossen wird
Eine Aufgabe auf Parität diagnostizieren

Text und Operationen in Paritätswirkungen übersetzen – bevor du rechnest.

Warum funktioniert sie?

Parität lohnt sich, wenn die Aufgabe viele Details hat, aber alle relevanten Zustände in zwei stabile Klassen fallen: G/U, an/aus, schwarz/weiß.

Erkennungssignale

  • gerade oder ungerade Zahlen werden ausdrücklich genannt
  • aufeinanderfolgende Zahlen oder Nachbarfelder treten auf
  • wiederholte Züge verändern eine Anzahl stets um eine gerade Zahl
  • eine Existenz oder Erreichbarkeit soll ausgeschlossen werden

Vorgehen

  1. 1. Zielart bestimmen: Frage: Rechnen, konstruieren, beweisen – oder Unmöglichkeit zeigen?
  2. 2. Paritätswirkung übersetzen: Notiere für jede relevante Zahl oder Operation nur G/U bzw. Wechsel/Erhalt.
  3. 3. Trennschärfe prüfen: Vergleiche: Haben Start und Ziel oder Behauptung und Gegenfall verschiedene Parität?

Geeignet

  • nur Zweiteilung statt genauer Zahlenwerte relevant scheint
  • jede Operation eine klar bestimmbare Paritätswirkung hat

Reicht nicht

  • Reste 0 und 2 modulo 4 unterschieden werden müssen
  • die Bedingungen paritätsverträglich sind, aber noch eine Konstruktion fehlt
Parität verfeinern oder die Methode wechseln

Erkennen, wann G/U zu grob ist und modulo 4, modulo 3 oder eine Konstruktion nötig wird.

Warum funktioniert sie?

Parität sieht nur den Rest modulo 2. Zwei gerade Zahlen (2 und 4) können für die Aufgabe trotzdem grundverschieden sein – wie eine Landkarte mit nur zwei Farben.

Erkennungssignale

  • alle untersuchten Fälle haben dieselbe Parität
  • Quadrate oder Teilbarkeit durch 4 bzw. 8 treten auf
  • eine Paritätsbedingung ist notwendig, liefert aber noch kein Objekt

Vorgehen

  1. 1. Ergebnis des Paritätstests benennen: Unmöglich? Noch möglich? Oder nur „nicht widerlegt“?
  2. 2. Fehlende Information bestimmen: Braucht man feinere Reste, eine Größenabschätzung, eine Invariante oder eine Konstruktion?
  3. 3. Kleinste passende Verfeinerung wählen: Wechsle nur so weit wie nötig, z. B. von modulo 2 zu modulo 4.

Geeignet

  • ein Paritätsversuch keine Entscheidung liefert
  • präzise erklärt werden soll, warum die Methode nicht ausreicht

Reicht nicht

  • bereits ein einfacher Paritätswiderspruch vorliegt
Als 2k oder 2k + 1 darstellen

Gerade und ungerade Zahlen so schreiben, dass ihre Parität algebraisch sichtbar wird.

Warum funktioniert sie?

Eine gerade Zahl besteht aus ganzen Zweierpaaren. Bei einer ungeraden Zahl bleibt genau eins übrig. Das ist dein Super-Trick für allgemeine Beweise.

Erkennungssignale

  • Eine Aussage gilt für alle geraden oder ungeraden ganzen Zahlen.
  • Teilbarkeit durch 2 soll bewiesen werden.
  • Probieren allein erklärt noch nicht, warum die Aussage immer gilt.

Vorgehen

  1. 1. Variablen festlegen: Schreibe gerade Zahlen als 2a2a und ungerade als 2b+12b+1.
  2. 2. Einsetzen und ordnen: Setze die Darstellungen ein und klammere einen Faktor 2 aus.
  3. 3. Parität ablesen: Formuliere, warum der verbleibende Klammerausdruck wieder ganzzahlig ist.

Geeignet

  • die Parität einer Summe, Differenz oder eines Produkts bewiesen werden soll
  • eine Behauptung ausdrücklich gerade oder ungerade Zahlen nennt

Reicht nicht

  • genauere Reste modulo 4 oder 8 nötig sind
  • nur ein einzelner Zahlenwert berechnet werden soll
Paritätsfälle systematisch untersuchen

Alle möglichen gerade/ungerade-Kombinationen vollständig und ohne Doppelungen prüfen.

Warum funktioniert sie?

Jede ganze Zahl liegt in genau einer von zwei Schubladen. Für zwei Zahlen gibt es deshalb genau vier geordnete Fälle – und du darfst keinen vergessen.

Erkennungssignale

  • Mehrere ganze Zahlen treten symmetrisch auf.
  • Die Aussage hängt nur davon ab, ob Zahlen gerade oder ungerade sind.
  • Ein Gegenbeispiel könnte in einer bestimmten Paritätskombination liegen.

Vorgehen

  1. 1. Fälle zählen: Notiere vorab, welche Kombinationen überhaupt möglich sind.
  2. 2. Disjunkt prüfen: Bearbeite jeden Fall genau einmal.
  3. 3. Vollständigkeit schließen: Begründe, dass jede Eingabe von einem Fall erfasst wird.

Geeignet

  • zwei oder drei Größen jeweils zwei mögliche Paritäten haben
  • Vollständigkeit der Argumentation wichtig ist

Reicht nicht

  • zu viele unabhängige Größen zu einer Falllawine führen
  • eine Invariante den Prozess direkter beschreibt
Widerspruch über Parität

Das Gegenteil annehmen und daraus folgern, dass eine Zahl zugleich gerade und ungerade wäre.

Warum funktioniert sie?

Eine ganze Zahl kann nicht gleichzeitig in beiden Paritätsklassen liegen. Das ist der klare Detektiv-Widerspruch.

Erkennungssignale

  • Eine Existenz soll ausgeschlossen werden.
  • Die Annahme führt auf eine Gleichung mit verschieden paritätigen Seiten.

Vorgehen

  1. 1. Gegenteil annehmen: Formuliere die Negation der Behauptung präzise.
  2. 2. Paritäten verfolgen: Bestimme die Parität beider Seiten oder Zustände.
  3. 3. Widerspruch benennen: Zeige ausdrücklich in einem Satz, welche Zahl zugleich gerade und ungerade wäre.

Geeignet

  • eine Unmöglichkeit bewiesen werden soll

Reicht nicht

  • ein Objekt konstruiert oder gezählt werden soll
Parität eines Produktes untersuchen

Ein Produkt ist genau dann ungerade, wenn jeder Faktor ungerade ist.

Warum funktioniert sie?

Sobald ein Faktor ein Zweierpaar enthält, enthält es auch das ganze Produkt – wie ein Tropfen Farbe im Teig.

Erkennungssignale

  • Faktoren oder eine Faktorisierung treten auf.

Vorgehen

  1. 1. Geraden Faktor suchen: Prüfe, ob mindestens ein Faktor gerade sein muss.
  2. 2. Gegenrichtung prüfen: Ist das Produkt ungerade, können alle Faktoren nur ungerade sein.

Geeignet

  • die Parität eines Produkts oder einer Potenz gesucht ist

Reicht nicht

  • Summanden die entscheidende Struktur bilden
Parität als Invariante verwenden

Eine unveränderte Parität verfolgen, um erreichbare und unerreichbare Zustände zu unterscheiden.

Warum funktioniert sie?

Viele Züge verändern Zahlen – aber nicht den Fingerabdruck: den Rest einer geeigneten Messgröße bei Division durch 2.

Erkennungssignale

  • Wiederholte Züge
  • Start- und Zielzustand
  • Erreichbarkeit

Vorgehen

  1. 1. Messgröße wählen: Suche eine Summe, Anzahl oder Färbung, deren Parität du beobachtest.
  2. 2. Jeden Zug prüfen: Beweise, dass alle erlaubten Züge die Parität erhalten (oder kontrolliert wechseln).
  3. 3. Start und Ziel vergleichen: Unterschiedliche Parität bedeutet: Das Ziel ist unerreichbar.

Geeignet

  • jeder erlaubte Zug dieselbe Paritätswirkung besitzt

Reicht nicht

  • die relevante Größe bei verschiedenen Zügen beliebig wechselt
Schachbrettfärbung einsetzen

Geometrische Lagen in zwei Farben färben und Anzahlen oder Wechsel verfolgen.

Warum funktioniert sie?

Farbe macht eine verborgene Parität räumlich sichtbar – und zeigt, was jeder Domino immer tut.

Erkennungssignale

  • Brett
  • Gitter
  • Dominos
  • Züge zwischen Nachbarfeldern

Vorgehen

  1. 1. Färbung wählen: Färbe so, dass jeder lokale Zug oder Stein ein festes Farbmuster hat.
  2. 2. Farbbilanz prüfen: Vergleiche benötigte und vorhandene Felder jeder Farbe.

Geeignet

  • Objekte benachbarte Felder überdecken oder zwischen ihnen wechseln

Reicht nicht

  • die erlaubten Figuren beliebige Farbmuster überdecken können